Eine Blaumeise mit Gasmaske, eine in Flammen und eine mit Blut am Helm. Leipzig hat trotzdem applaudiert.

Eine Blaumeise mit Gasmaske, eine in Flammen und eine mit Blut am Helm. Leipzig hat trotzdem applaudiert.

Im Mai 2024 habe ich drei Grafiken in der Alten Spinnerei Leipzig ausgestellt. Keine harmlosen Bilder. Keine Dekoration. Drei Werke aus meiner Reihe Vermächtnis, die sich um Dinge drehen, die unbequem sind: Umweltzerstörung, Krieg, der schleichende Verlust von allem, was wir für selbstverständlich halten.

Ich hätte es einfacher machen können. Hätte bunte Vögel auf Äste gesetzt, schöne Farben, ein bisschen Natur, ein bisschen Nostalgie. Das verkauft sich. Das hängt gut in Wohnzimmern. Das stört niemanden.

Ich wollte stören.

Frische Luft

Die erste Grafik zeigt eine Blaumeise mit Gasmaske.

Blaumeisen stehen für das Leichte, das Unbekümmerte. Jeder kennt sie. Jeder mag sie. Genau deshalb sitzt die Gasmaske so tief. Nicht weil ich ein Umweltplakat gemalt habe, sondern weil der Kontrast zwischen diesem kleinen, harmlosen Vogel und dem, womit er sich schützen muss, einen Moment erzeugt, der nicht sofort wieder vergeht.

Man schaut das Bild an und denkt zuerst: Das kann nicht sein. Dann denkt man: Natürlich ist das so.

Brennende Meise

Die zweite Grafik geht weiter. Dieselbe Blaumeise. Dieselbe Gasmaske. Aber jetzt steht sie in Flammen.

Das Feuer ist nicht metaphorisch gemeint, zumindest nicht nur. Es ist konkret. Es brennt. Und die Maske hilft nichts mehr. Man kann sich nicht schützen, wenn das, wovor man sich schützt, bereits überall ist.

Eine Anwaltskanzlei aus Köln hat dieses Bild gekauft. Ich finde das passend. Nicht weil Anwälte besonders nah an Umweltthemen dran wären, sondern weil dieses Bild in einem professionellen Kontext hängt, wo es täglich gesehen wird. Nicht im Lager. Nicht hinter einer Depotür. Es wirkt.

Soldatenmeise

Das dritte Bild ist das, über das die meisten Menschen länger nachdenken als ihnen lieb ist.

Eine Blaumeise mit blutverschmiertem Soldatenhelm sitzt auf einem blutverschmierten Gewehr. Mehr braucht es nicht. Der Vogel, der eigentlich für Frieden und Unschuld steht, ist längst mittendrin. Nicht als Opfer. Als Teil davon.

Ich erkläre dieses Bild nicht weiter. Wer es erklärt haben will, hat es noch nicht lange genug angeschaut.

Was hinter dieser Ausstellung steckte

Die Alte Spinnerei ist kein kleines Hinterhofprojekt. Es ist ein Ausstellungsort mit Geschichte, mit Publikum, mit Anspruch. Hinzukommen als Künstler ohne Galerievertrag, ohne Management, mit drei großformatigen Werken, die man selbst produziert, selbst transportiert und selbst aufhängt, ist keine Selbstverständlichkeit.

Die Werke entstehen nicht schnell. Großformat bedeutet: jedes Detail wird sichtbar, jeder Fehler auch. Ich sitze an diesen Grafiken so lange, bis ich nichts mehr verbessern kann. Nicht bis ich zufrieden bin. Das ist nicht dasselbe.

Die Botschaft dieser drei Bilder lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wir zerstören, was uns trägt, und wundern uns dann, warum wir fallen.

Ob das jemanden zum Handeln bringt, weiß ich nicht. Aber wenn jemand vor diesen Bildern steht und sich nicht mehr so sicher fühlt wie vorher, dann hat die Arbeit funktioniert.

 

 

 

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