Meine Vögel ziehen vor Gericht
Es gibt Sätze, die hört man als Künstler nicht oft. "Die Präsidentin des Amtsgerichts begrüßt Sie zur Eröffnung" ist so einer. Ich habe schon an vielen Orten ausgestellt, aber noch nie an einem, an dem ich vorher durch eine Sicherheitskontrolle musste. Meine Vögel übrigens auch.
Am 3. Dezember 2025 um 11 Uhr eröffnet meine Ausstellung "Vermächtnis" im Foyer des Justizzentrums Halle (Saale). Helen Engelhard, die Präsidentin des Amtsgerichts, wird die Eröffnung begleiten. Und ich stehe daneben, ein Grafiker aus Halle, dessen Werke normalerweise von Verlust, Hoffnung und schweren Flügeln erzählen, nicht von Aktenzeichen.
Genau deshalb finde ich diesen Ort so spannend.

Ausstellung Justizzentrum Halle: Innere Wahrheit trifft äußere Wahrheit
Ein Gericht ist ein Ort, an dem es um Beweise geht. Um das, was sich belegen lässt. Meine Kunst macht das Gegenteil. Sie beschäftigt sich mit dem, was sich nicht belegen lässt und trotzdem wahr ist. Trauer. Mut. Die Erinnerung an Menschen, die nicht mehr da sind.
Im nüchternen Foyer des Justizzentrums Halle entsteht dadurch ein Kontrast, den ich nicht hätte besser planen können. Kunst über innere Wahrheit an einem Ort, der der äußeren Wahrheit verpflichtet ist. Wer zwischen zwei Terminen dort durchläuft, gestresst, mit Papieren unterm Arm, dem wünsche ich genau das, wofür diese Ausstellung gedacht ist: einen Moment stillstehen. Durchatmen. Der Zeit beim Vergehen zuschauen.
Warum Vögel?
Die "Vermächtnis"-Reihe ist das persönlichste, was ich bisher gemacht habe. Im Zentrum stehen Vögel. Fragile Wesen, die trotzdem erstaunlich widerständig sind. Jeder einzelne Vogel steht für eine Emotion, eine Erinnerung, eine Erfahrung. Verletzlichkeit. Hoffnung. Der leise Wille, weiterzufliegen, auch wenn die Flügel schwer sind.
Das klingt vielleicht pathetisch. Ist es aber nicht, wenn man davorsteht. Versprochen.
Vom Bleistift bis zum Druck: So entstehen die Werke
Meine Arbeiten leben zwischen analoger und digitaler Welt, zwischen Intuition und Kontrolle. Alles beginnt von Hand. Spontane Skizzen auf Papier, Schicht für Schicht gezeichnet. Erst danach digitalisiere ich die Motive und arbeite sie weiter aus. Am Ende werden sie in aufwändigen Druckverfahren auf Leinwand oder Fine Art Papier übertragen und händisch finalisiert.
Das ist kein Knopfdruck-Prozess. Jedes Werk geht mehrfach durch meine Hände, bevor es an einer Wand hängt. In diesem Fall an einer Wand, an der sonst eher Wegweiser zu Verhandlungssälen hängen.
Von Halle nach Sofia, München und China. Und jetzt zurück nach Hause
Seit 2015 bin ich selbstständiger Grafiker und Illustrator. Ohne Galerie, ohne Management, auf eigene Rechnung. Meine Werke waren in den letzten Jahren unter anderem in Halle, Sofia, Hamburg, München und Taicang in China zu sehen. 2021 wurden meine großformatigen Grafiken zum Tag der Deutschen Einheit auf die Burg Giebichenstein projiziert, live übertragen auf NTV.
Und trotzdem bedeutet mir diese Ausstellung etwas Besonderes. Sie findet in meiner Heimatstadt statt, an einem Ort, der bewusst lokalen Künstlern eine Bühne gibt. Im Foyer des Justizzentrums stellen regelmäßig hallesche Kunstschaffende und Kunstvereine aus. Auch solche, die sonst keine Ausstellungsfläche bekommen würden. Ich finde, das verdient Respekt. Sichtbarkeit ist für unabhängige Künstler keine Selbstverständlichkeit, sondern harte Arbeit.
Was man für einen Besuch wissen muss
Die Ausstellung läuft ab dem 3. Dezember 2025 im Foyer des Justizzentrums Halle (Saale). Der Eintritt ist frei. Zugänglich ist sie während der allgemeinen Öffnungszeiten: montags, mittwochs und donnerstags von 8:00 bis 15:30 Uhr, dienstags von 8:00 bis 17:00 Uhr und freitags von 8:00 bis 13:00 Uhr.
Eine Sache noch, und die meine ich ernst: Am Eingang gibt es Sicherheitskontrollen, durch die jeder Besucher muss. Das gehört an diesem Ort dazu. Wer also kommt, plant ein paar Minuten extra ein und lässt das Taschenmesser zu Hause. Kostenpflichtige Parkplätze gibt es direkt am Justizzentrum.
Meine Vögel warten dahinter. Sie sind die Kontrolle wert.
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